Das Projekt „MONATSACHTER“

Seit Anfang des Jahres geisterte einem meiner Kletterpartner für 2020 ein Ziel im Kopf herum: Jeden Monat eine Route mit einer Acht drin klettern. In der Halle hat er das bereits umgesetzt als „Ich klettere bis zum nächsten Routenbau alle Routen mit einer 8 drin, also von 7+/8- bis 8+/9-!“ Ob das geklappt hat, weiß ich nicht mehr, aber sah gut aus soweit. Also warum nicht übertragen auf den Fels. Der Lockdown kam und die Idee ist weiter gereift und im April habe auch ich mich diesem Projekt „Monatsachter“ dann bereitwillig angeschlossen. Am Anfang mit viel Druck verbunden, aber eben der Option auch endlich meinen eigenen Kopf in die Tonne zu packen und mal zu schulen, ging es mit dem ersten „Achter“ im April – leider ohne besagten Partner – los.

Die erste Route in der Monatsachter-Statistik war „Das Geisterhaus“ an der Rockywand in Kochel mit 7+/8-. Und seit dem ist jeden Monat – ohne Ausnahme – eine Route gefallen mit einer Acht in der Bewertung. Es gab Monate, in denen war es enorm knapp. Beispielsweise der Juni, war kein Monat in dem ich mich gut und fit gefühlt habe, und erst am 25.06.2020 ist der Juni-Achter gefallen. Mit „Acid Rock“ 8- am Reservat, eine dankbare und kurze Route, deren Mono-Untergriff-Verschieber und Einstieg es in sich haben, aber eben auch nur kurz.

Es gab aber bisher auch Monate wie den August oder den Oktober, in denen gleich mal drei Projekte gefallen sind. Im August mit „Xaver, Hackepeter und die Streckbank“ an der Atlantiswand mit einer Bewertung von 8+ auch meine bislang schwerste Route – und die gleich am dritten Tag des Monats und am zweiten Projekttag. Da war ich selbst etwas erstaunt.

Es gibt auch Monate, da ist es sogar recht entspannt, da fällt das Projekt schon am Ersten oder Zweiten des Monats, so geschehen im Oktober mit „Häuptling Zabalulu“ 8 an der Afrikawand oder im November mit „Romans Herztod“ 8/8+ an der Atlantiswand – beides in Kochel.

Bisher sind mit einer Ausnahme („Timerider“ 8- Oberried, Österreich) alle Monatsachter im Heimatgebiet Kochel geklettert, aber wer weiß, das lässt sich ja ausweiten, sobald mal wieder eine kleine Reise möglich ist.

Ich denke, das Projekt „Monatsachter“ ist nicht nur ein Projekt, sondern eine Art des Trainings. Für mich persönlich ein Training für den Kopf, denn der muss dann einfach auch mal funktionieren und bisher hat er das in allen Durchstiegen. Ich habe allerdings auch viel Zeit mit mir selbst verbracht und hart an mir arbeiten müssen, um bis dahin zu kommen. Ich habe für mich eine Herangehensweise entwickelt die beim Projektieren einer Route bereits beginnt und über die bewusste Entscheidung einem Versuch das Go zu geben inklusive der mentalen Vorbereitung vor dem direkten Einstieg bis hin zum Durchstieg inzwischen schon sehr gut funktioniert.

Ich möchte mich an dieser Stelle auch mal bei meinen aktuellen Kletterpartnern bedanken. Zu allererst bei Michi, mit dem ich schon viele Jahre klettere und der mich immer begleitet hat als guter Freund und Seilpartner und mit dem ich viele schöne Tage am Fels verbringe. Weiter dann aber auch die anderen beiden ganz wichtigen Partner – die beiden Johannese – Hannes und Hoochi. Mit zweiterem klettere ich bereits im vierten Jahr zusammen und wir haben uns kennengelernt auf dem 7er Niveau. Inzwischen sind wir bestimmt zwei bis dreimal die Woche unterwegs und ich kann viel lernen, da wir total unterschiedliche Stärken haben. Der zweite (Jo)Hannes den gibt es erst seit knapp zwei Jahren, aber von dem kam die komische Idee des Monatsachters und er pusht mich immer wieder. Auch hier als der Dritte im Bunde mit dem ich mehrmals die Woche gehe ein toller Trainingsaprtner und einer, der ebenfalls Stärken mitbringt, die ich (noch) nicht habe. Alles in Allem eine tolle Truppe.
Danke an dieser Stelle auch an (alte) Kletterpartner, Routenschrauber-Kollegen und Freunde und natürlich meine Lebensgefährtin, die mich in meinem Tun und meiner Besessenheit immer unterstützt.

Am Ende des Tages geht es aber doch immer nur um den Spaß am Sport, die Begeisterung und Zufriedenheit bei dem, was wir da tun (vor allem beim Projekt „Monatsachter“). Klettern lehrt mich immer wieder Demut und auch Geduld und ich muss mich immer wieder erneut mit mir selbst auseinandersetzen, auch wenn es da Themen gibt, die ich lieber nicht angehen möchte oder die ich wegschiebe so gut es geht.
Für mich ist der Wettkampf immer schon ein wichtiger Faktor im Sport gewesen, beim Klettern aber stehe ich im für mich besten Wettkampf den ich mir wünschen kann, dem mit mir selbst! Natürlich wetteifere ich auch ein wenig mit meinen Partnern, wer vielleicht die Route schneller knackt oder DIE Lösung findet, aber am Ende des Tages bin ich genauso glücklich und zufrieden, wenn einer meiner Begleiter das schafft, was ich nicht schaffen konnte, wie wenn ich es selbst geschafft habe.