Klettern im Wüstenstaat des Sultanat Oman

Von Trad-Routen über feinstes Sport- und Alpinklettern hin zum Einbohren neuer Routen im Sultanat Oman, einer Perle im Mittleren Osten.
Klettern und Oman bringt eigentlich niemand so schnell in Verbindung, auch wenn sich dies seit „Into the light“ bereits gewandelt hat.
Klettern im Oman hat eine relativ lange Vergangenheit. Französische Kletterer haben bereits in den 80ern und 90ern das Land als Vorreiter erkundet. 
Mittlerweile gibt es sogar einige relativ gut abgesicherte Sportklettergebiete (hauptsächlich konzentriert im Hajar-Gebirge, im Landesinnern, zwischen 1-3 Stunden von Muscat entfernt).
Besonders reizvoll sind die langen alpinen Routen, die Eigeninitiative bei der Routenfindung und traditionelle Absicherungen erfordern. Ein Beispiel hierfür zeigt sich in der French Pillar am Jebal Misht, einer 1100 Meter langen, alpinen Route im Bereich UIAA 7-.

Um einen ersten Eindruck der Kletterei im Oman zu erlangen, suchen wir uns den nahe Muscat im Wadi Al Mayh gelegenen „Scorpion Buttres“aus, einen Spot mit kürzeren großteils Riss- und Kaminkletterein und ausreichender Absicherung. Hier finden sich vor allem Routen im Bereich 4c bis 6c mit bis zu 5 Seillängen.

Benny in „Chimney Choice“ 6c
Weiter an der Küste Richtung Sur gibt es im Wadi Daykah ein relativ großes Sportklettergebiet mit übersichtlicher Absicherung und Schwierigkeitsbereichen zwischen 5b und 7a. Etwas südlicher im Wadi Tiwi erstrecken sich noch gute Möglichkeiten Trad-Routen zu klettern. Eckdaten mit Bewertungen von 4 bis 8+ und Kletterlängen zwischen 100 und 500 Metern zeichnen das Wadi aus.

Für Abkühlung oder Restdays zwischendurch sorgen ausgiebige, kristallklare Wasserpools in den Wadis Tiwi, Wadi Shab und Wadi Bani Khalid sowie das Bimmah Sinkhole bei Fins oder aber das Meer.

Zurück im Landesinnern im Hajar Gebirge – hier findet sich ein Klettergebiet am nächsten in den unterschiedlichsten Höhenlagen. Eine gigantische Kulisse bietet das Wadi Mistal, mit stark an die Dolomiten erinnernden Gebirgsformationen. Hier begeben wir uns auf eine spektakuläre Fahrt nach Hadash. Bis auf 1500 Meter über Null müssen wir mit Allradunterstützung fahren, um an atemberaubenden Felsblöcken klettern zu können. Hadash bietet gute Absicherung und ausgeklügelte Routen zum Sportklettern. Der Schwerpunkt liegt zwischen 6b und 8b+.

Unser nächstes Kletterziel liegt ca. eine Stunde südlich durchs Hajar Gebirge in Richtung Nizwa. Hier machen wir einen kurzen Zwischenstopp im „Sharaf al Almayn“-Klettergebiet und genießen die unbeschreibliche Aussicht. „Sharaf al Almayn“ liegt auf knapp 2000 Metern und bietet solide abgesicherte Kletterei zwischen 5a und 7b+. Wir befinden uns hier im höchsten Sportklettergebiet des Landes, das sich besonders im Sommer gut eignet aufgrund des auf dieser Höhe eher kühleren Klimas. Leider hat uns die Zeit zum hier verweilen nicht ganz ausgereicht.Der Blick von Sharaf al Almayn
Es wartet der Jebal Shams, der mit 3009 Metern höchste Berg des Sultanats, auch genannt „Grand Canyon des Oman“. Dort entscheiden wir uns für die Mehrseillänge „Nawras“ die aus dem Canyon herausführt. Nach dem Abseilen geht es in relativ gutem, oft wasserzerfressenem Fels wieder nach oben. Kletterschwierigkeit überwiegend 6c. Die Kletterei am Jebal Shams bietet atemberaubende Aussichten und mentale Herausforderungen, durch insgesamt gute Absicherung, die jedoch von mobilen Sicherungsmitteln unterstützt werden sollte.

Die Reise geht weiter, zurück auf die Nordseite des Hajar Gebirges. Hier befindet sich der relativ leicht zugängliche „Kubrah Canyon“, ein Sportklettergebiet mit eigenem Flair. Nebst Trad-Routen finden sich gut gesicherte Sportkletterrouten im Schwierigkeitsgrad 5b bis 7a. Wir verbringen hier insgesamt ca. eine Woche um zu klettern, aber vor allem einen komplett neuen Sektor zu eröffnen. Ziel ist es hier, einen Kletterbereich zu erschließen, der tagsüber im Schatten liegt (bisher war Schattenkletterei bis 11:00 Uhr und ab 16:00 Uhr möglich). Wir werden fündig, können insgesamt acht neue Routen bohren, die ab 12:00 Uhr durchgängig im Schatten liegen. Dank geht hier an die Firma BergZeit, die uns mit den Bohrhaken im Gegenzug für zwei Magazinbeiträge entgegengekommen ist. So konnten wir Edelstahlhaken in unserem Sektor „Steep Paradise“ anbringen. Ebenso geht Dank an die Firma BTI, die uns mit dem Akkubohrhammer entgegen gekommen ist (sehr zu empfehlen die BTI A18 BH).

Der „Kubrah Canyon“ ist von Muscat relativ gut zu erreichen (eine Stunde Autofahrt), ist auch ohne Allrad erreichbar, hat einen angenehmen Zustieg, bietet einen Parkplatz und eine große Auswahl an diversen Schwierigkeitsgraden und Routen. Absicherungstechnisch ist hier alles gut gebohrt, die verzinkten Bohrhaken sollten jedoch vor dem Belasten immer nochmal angeschaut werden.

Ein besonderes Schmankerl des „Kubrah Canyon“ ist die unweit in der Nähe von Nakhl (nächstgrößerer Ort in westlicher Richtung) gelegene heiße Quelle unter Palmen (abends sogar mit Sternenhimmel) die zum Entspannen nach einem harten Klettertag einlädt. Auf dem Rückweg lässt sich dann ein kurzer Stop beim „GoodFood“ einlegen. Preis-Leistung sind hier unschlagbar.

Tips und Tricks für eine Kletterreise im Oman:
Meist sinnvoll ist ein allradgetriebenes Fahrzeug für die teils unwegsamen Anfahrten. Bezüglich Übernachtungen und Schlafplätzen sollte im Gepäck ein Zelt oder die Hängematte nicht fehlen, bezahlbare Hotels sind eher selten. Weiter ist es im Oman größtenteils sogar erwünscht zu campen. Aus unserer Erfahrung zeigt sich, dass Essengehen billiger ist als selbst zu kochen. Die Preise für ein Abendessen bewegen sich zwischen 1,- und 3,- Euro.
Zum Klettergepäck gehören nebst Standardausrüstung unbedingt ein Satz Keile und ein Satz Friends bis Größe 4, ein 70 Meter Seil wird empfohlen. Wer jedoch ausschließlich Trad-Routen klettern möchte sollte einige Schlaghaken und Hexcentrics mitführen.
Neben dem Kletterführer „Oman“ von Jakob Oberhauser bieten sich die Seiten 27crags.com und omanclimbing.com, sowie die Facebookgruppe „Climbing in Oman“ an.
Für Erstbegehungen und neue Routen bietet sich noch sehr viel Potential über das ganze Land verteilt.

Weitere Infos zur Reise finden sich im Reisebericht „Sultanat Oman – eine Perle im Mittleren Osten“.

(Anmerkung des Autors: Die Bilder sind teils unbearbeitet, da der Bericht während der Reise entstanden ist.)